Der sympathische Rechtsanwalt Johann Schwenn aus Hamburg, am 2.02.2012 ab 09:00 Uhr wieder am Amtsgericht Ahrensburg zu bestaunen ! Schwenn - seit 35 Jahren Anwalt - zu Lanz: "Die Presse soll die Staatsmacht kontrollieren! Dazu gehören auch die Gerichte und die Staatsanwaltschaften!" Der Mann ist gut und hat Geschmack: Rote Socken + Grüne Krawatte....
Letzter Verhandlungstag Nr. 4 > mit Bericht: HIER
Über die Tage 5,6, hat AH-A! nichts veröffentlicht.
Am 23.01.2012 fand der 7.te Tag im Ärzteprozeß am Amtsgericht unter Leitung des Vorsitzenden Richters (Stellv. Direktors) Ulf Thiele statt. Unter Auschluß der Öffentlichkeit wurden Videos des ehemaligen Lebensgefährten betrachtet, dann wurden die angeklagte Ärztin und der angeklagte Arzt befragt.
Dabei gab es einige scharfe Worte zwischen Anwalt Johann Schwenn ("Meine Mandantin muss nicht alles nochmal sagen!") und der Staatsanwältin Sabine Schuchardt ("Ich will weiter fragen!"). Was sie dann tat.
Ab 11:10 gaben dann zunächst Prof Hans-Jürgen Kaatsch, Leiter der Rechtsmedizin Schleswig-Holstein und danach Prof. Martin Carstensen, Frauenarzt (50.000 Geburten) inzwischen im Jerusalemkrankenhaus ihre Sachverständigenwertungen ab.
Prof. Kaatsch stellte fest, dass hier offenbar der Ernst der Lage nicht erkennt wurde, waran sich Herr Prof. Carstensen anschloss. Im Kern wurde der hohe Blutverlust nicht erkannt, was zu Herz-Kreislaufversagen und Herzstillstand führte. Da zuwenig Volumen im Körper war, dauerte die Reanimation durch Dr. Runge und Dr. Rejzek -die zweifelsfrei alles gaben - 20 Minuten, wodurch, wie Prof Reusche von der Uniklinik Lübeck am Gehirn später feststellte, Absterbungen von Funktionseinheiten im Gehirn stattfanden - mangels Sauerstoff durch fehlende Blutzufuhr.
Von Seite der behandelnden Verantwortlichen wurde bis zum Eintritt des Herzstillstandes um 09:30 Uhr nicht auf desolate Blutdruckwerte notfallmäßig reagiert. Werte von 90/40, wobei der systolische Wert besonders niedrig war. Ursache war ein nicht kontrahierender Uterus mit der Folge Atonie.
Ab 1500ml Blutverlust erfolgt in der Regel - je nach Konstitution - eine Atonie 3.Grades. Dies war hier der Fall.
Prof. Martin Carstensen, der seine Analyse mit 6 Punkten sortierte, stellte fest, dass die Diagnose nach allen Informationen aus den Akten falsch war. Die Verstorbene hätte untersucht gehört. Da dies unterblieb, wurde nicht rechtzeitig gehandelt - mit fataler Folge: Tod er Patientin. Prof. Carstensen erklärte, er sehe die Zeit um 6:00 Uhr als letzte Chance gegenzusteuern, evtl auch noch bis 08:00 Uhr mit geringerer Chance.
Danach ging es um die Frage vonseiten RA Schwenns, ab wann die Patientin hätte sicher überleben können und um "Kausalität". RA Schwenn versuchte sozusagen organische Unwägbarkeiten in eine juristisch kausale Form zu pressen, was nicht gelang. RA Schwenn zum Sachverständigen Rechtsmediziner Prof. Kaatsch: "Mich interessiert die rein feststehende Kausalität!"
Als daraufhin Richter Ulf Thiele - souverän wie bisher alles fest im Griff - den Sachverständigen Prof. Kaatsch fragen wollte, intervenierte Schwenn in bekannter Weise: "Sie wollen nochmal das gleiche fragen, Herr Vorsitzender! Ich beantsande diese Frage! Unzulässige Wiederholungsfrage, Herr Vorsitzender! Bitte durch Beschluss gemäß StPO entscheiden!"
Richter Thiele: "Wir ziehen uns zur Beratung zurück und entscheiden darüber"
Richter Thiele dann um 13:16 Uhr: Beschluss des Schöffengerichts: "Meine Frage darf gestellt werden !"
Kommentar:
Nach den Sachverständigengutachten scheint hier doch etwas mehr als ein menschlicher Fehler vorzuliegen.
Schlamperei, Fehlende Qualifikation (Übermüdung?, Überarbeitung?) in Verbindung mit einem bereits seit 26 Stunden laufenden Dienst (effektive Personalplanung eines privaten Krankenhausbetreibers?) scheint hier eine fatale Allianz mit Querelen der Verstorbenen und des Lebensgefährtin mit den behandelnden Ärzten und Personal vor der Geburt (blanke Nerven hier wie da ?) eingegangen zu sein.
Die über alles stehende Frage ist:
Soll das Gericht bestrafen ?
Aussagen in der Verhandlung:
Schwenn zu Richter Thiele: "Eine Mehrzahl von Aspekten taucht einen Schuldspruch in besonders mildes Licht!"
Richter Thiele: "Die Frage ist, ob das Verfahren ohne Urteil beendet werden kann. Einbindung in Sicherungsstrategie...?"
Prof. Carstensen: "Auf 100.000 Geburten sterben 5 Mütter - ich hatte Glück, bei mir starb bei ca. 50.000 Geburten keine Mutter! - 30 tote Frauen jährlich bei Geburten in Deutschland - 25% davon durch Verbluten"
Prof. Kaatsch zu Schwenn: "Bitte fragen Sie mich als Sachverständigen nicht, ob ich etwas ausschließen kann !"
Rechtsanwalt Kury: "Sie hätten überlegen können! Sorry - wenn ich jetzt etwas STACHELIG werde !"
Prof. Carstensen:"Menschen in Medizinberufen haben meist ein Helfersyndrom - arbeiten oft bis zum Umfallen! Ich habe selbst als Assistent jahrelang 24-Std.-Dienste absolviert !"
Prof. Carstensen: "Ich habe in 36 Jahren nie Vorlagen gewogen ! Es gibt andere Parameter, den Blutverlust festzustellen ...."
RA Schwenn zu RA Vornhusen: "Sie haben doch mitgehört! ...wurde alles erörtert...dürftige Vorbereitung in der Pause Herr Kollege!"
RA Vornhusen: "Was soll das Herr Schwenn? .....[zum Richter gewandt:]...keine weiteren Fragen!"
RA'in Martens [ernsthaft] zu Prof. Carstensen: "25% [ also 8 tote Frauen bei ca. 680.000 Geburtsvorgängen in Deutschland jährlich = ca. 0,0000117 % ] von 30 toten Frauen ist nicht wenig !"
Nächster Verhandlungstag (Tag 8):
2.02.2012, 09:00 Uhr, Saal 1
- ‹ vorherige Seite
- 47 von 736
- nächste Seite ›